Die Bodensee-Region
Namensgeschichte
Der römische Geograph Pomponius Mela erwähnt als Erster um das Jahr 43 v. Chr. den Bodensee als Lacus Venetus (Obersee) und Lacus Acronius (Untersee), die beide vom Rhein durchflossen würden. Plinius der Ältere bezeichnet den Bodensee erstmals als Lacus Brigantinus nach dem damaligen Hauptort am See, Brigantium (Bregenz). Dieser Name stammt von dem ursprünglich hier ansässigen keltischen Stamm der Brigantier.
Die Bezeichnung „Bodensee“ leitet sich vom Ortsnamen Bodman ab. Dieser am Westende des Überlinger Sees gelegene Ort war im Mittelalter für eine gewisse Zeit als fränkische Königspfalz, alemannischer Herzogssitz und Münzstätte von überregionaler Bedeutung, weshalb der Name auf den See übertragen worden sein dürfte („See, an dem Bodman liegt“ = Bodman-See). Der Name lacus potmanicus ist seit 833 n.Chr. bezeugt und hat sich im deutschen Sprachraum zu „Bodamer See“ und schließlich zu „Bodensee“ weiterentwickelt. [2] Man vergleiche auch den Namen des Bodanrück, des Höhenzugs zwischen Überlinger See und Untersee, und die Geschichte der Familie Bodman. Die deutsche Bezeichnung Bodensee wurde von sehr vielen anderen Sprachen übernommen, siehe z. B. nl. Bodenmeer, dän. Bodensøen, norw. Bodensjøen, schw. Bodensjön, isl. Bodenvatn, finn. Bodenjärvi, estn. Bodeni järv, lit. Bodeno ežeras, lett. Bodenezers, russ. Боденское озеро, poln. Jezioro Bodeńskie, tschech. Bodamské jezero, slowak. Bodamské jazero, ung. Bodeni-tó, bulg. Боденско езеро, ukr. Боденське озеро, kroat. Bodensko jezero, alban. Liqeni i Bodenit. Auch in Asien heißt der Bodensee so, z. B. marathi बोडन से Bōdana sō, mandarin 博登湖 Bódēng-hú, kor. 보덴 호 Bodaen-ho, jap. ボーデン湖 Bōden-ko.
Nach dem Konzil von Konstanz im 15. Jahrhundert verbreitete sich im (katholisch-) romanischen Sprachraum der alternative Name Lacus Constantinus mit Bezug auf die am Ausfluss des Rheins aus dem Obersee liegende spätrömische Stadt „Constantia“, die ihren Namen wiederum Kaiser Konstantin verdankt, also frz. Lac de Constance, ital. Lago di Costanza, port. Lago de Constança, span. Lago de Constanza, rumän. Lacul Constanţa. Auch im romanisch beeinflussten Englisch fasste der Name als Lake Constance Fuß und wurde seitdem von dort in allerlei weitere Sprachen exportiert, z. B: kiswahili Ziwa la Konstanz.
Die Bezeichnung „Schwäbisches Meer“ haben Autoren der frühen Neuzeit und der Aufklärung von antiken Autoren, möglicherweise Tacitus, übernommen. Allerdings lag dieser Übernahme ein Irrtum zu Grunde (ähnlich wie etwa auch beim Teutoburger Wald und dem Taunus): Die Römer hatten nämlich nicht den Bodensee, sondern die Ostsee manchmal als Mare Suebicum bezeichnet. In einer Zeit, als die Römer die von ihnen so genannten „germanischen Sueben“ auch in der Nähe des Meeres verortet hatten, war dies verständlich. Die Autoren der Frühneuzeit übersahen dies und orientierten sich vermutlich am damals existierenden Schwäbischen Reichskreis, der auch Gebiete am Nordufer des Bodensees beinhaltete (vgl. Oberschwaben). Bei den Bewohnern des Bodenseeraums selbst ist dieser Ausdruck kaum geläufig und wird kaum verwendet. Der größere Teil der Region liegt außerdem nicht im schwäbischen, sondern im nieder- und hochalemannischen Dialektraum.